Feb 20 2009
Jurassic Park im Weilburger Tiergarten?
Am kommenden Aschermittwoch um 16:30 Uhr ist es wieder soweit: Der Weilburger Tiergarten lädt zu einer spannenden Führung, bei der bereits der Titel vielversprechend wirkt.
“Jurassic Park?” oder: Kann man Tiere zurückzüchten?
Passend zum Thema findet eine Wanderung zu den Tarpanen und den Auerochsen statt, deren ursprüngliche Arten lange schon ausgestorben sind.
Nachweise für den Aufenthalt von Auerochsen in Deutschland reichen bis in eine Zeit von vor 250.000 Jahren zurück. Im 9. Jahrhundert fanden jedoch große Rodungsperioden statt, wodurch der
Artenbestand schon drastisch verringert worden war, bis die ursprüngliche Art 1627 endgültig ausstarb. Die Pflanzenfresser und Herdentiere wurden damals bis zu 1000 kg schwer (die Männchen schwerer als die Weibchen) und nahezu zwei Meter groß. Hinzu kamen 80 cm lange Hörner. Die Fellfarben reichten von schwarzbraun bis grauweiss. Durch einen damals sehr stark ausgeprägten Mondkult, begann man Rinder zu Kultzwecken zu domestizieren. Die Hörner der Rinder symbolisierten die Mondgöttin, welche Fruchtbarkeit verkörpern sollte. 1934 begannen zwei Brüder damit, Rückzüchtungen durchzuführen.
Sie kreuzten verschiedene Rinderrassen, bei denen das ursprüngliche Aussehen der Auerochsen weitestgehend bewahrt worden war. Dadurch kann man sich zwar heute ein ungenaues Bild davon machen, wie diese Tiere einmal ausgesehen haben, kann die Rasse jedoch nicht wiederbeleben, da das Erbgut mit der letzten Kuh für immer ausgestorben ist.
Die Tarpane gehören zu einer Pferdeart, die wahrscheinlich mit zu den ursprünglichen Pferdeformen des heutigen Hauspferdes gehört. Etwas kräftiger als Wildpferde, suchten sie in den Wäldern Osteuropas Schutz vor Wölfen und Bären. Noch vor 200 Jahren wurden sie wild lebend beobachtet und galten bis 1798 als jagbares Wild. Privaten Pferdenarren ist es zu verdanken, dass die Art damals nicht ausgestorben ist. Diese sorgten mit einer Einfangaktion dafür, dass die noch reinen Tarpane in einem Wildpark angesiedelt wurden und sich weitervermehren konnten. Aus finanziellen Gründen konnten sie dort nur knapp 3 Jahrzehnte bleiben, und wurden anschliessend, weil als nutzlos angesehen, an die umliegenden Bauern verschenkt, was gleichwohl ihr Ende bedeutete, da die reine Art des Tarpans fortan mit “gewöhnlichen” Hauspferden gekreuzt wurde. Auch hier fanden wenig später Rückzüchtungen statt, die uns heute ein Abbild von einer Tierart liefern, die wir selbst ausgerottet haben.
Ein interessantes Thema also, für das es sich lohnen wird am Mittwoch in den Tiergarten zu fahren.
Außerdem weisen wir auch darauf hin, dass am 01.03.09 wieder eine Fütterungstour stattfindet.
Bildquelle: www.weilburg-lahn.info / Rudi Müller
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