Apr 29 2009

Das Weilburger Landtor - Teil 2

Landtor Inschrift

Nachdem weilburg-online.de in einem vergangenen Artikel schon über die Vorgeschichte des Landtores berichtete, folgt hier nun die Historie des eigentlichen Entstehungsprozesses dieses Monumentes, um das kein Besucher der Altstadt in Weilburg herumkommt.

Auf Wunsch des Fürsten von Nassau-Weilburg entstand der Entwurf des klassizistischen Landtores - 10m breit, 11m hoch, mit einer Durchfahrt von 3,50m Breite und 4m Tiefe. Erbaut werden sollte das Tor später aus Lahnmarmor und außerdem durch ein doppelflügeliges Tor mit Türchen ergänzt werden.

Ein Blick auf die Pläne des damaligen Architekten zeigt uns ein anderes Landtor, als das, wie wir es heute kennen. Ursprünglich sollte es ein schmuckreicher Bau werden mit reich gestaltetem Toraufsatz und vorgestellten Säulen. Man kann nur vermuten, weshalb das Monument so viel schlichter als geplant ausgefallen ist. Möglicherweise hatte man die Kosten nicht decken können. Vielleicht lag es auch an der langen Unterbrechung während der Bauausführung, die wohl aufgrund des Siebenjährigen Krieges erfolgte. So dauerte es vom Legen des Grundsteines am 17. September 1759 ganze neun Jahre, bis der Bau fertiggestellt wurde.

Landtor Weilburg

Interessant zu wissen ist außerdem, dass in den Grundstein des Baus Weilburger Münzen, Weilburger Wein und eine Kupferplatte mit eingravierter Inschrift eingemauert wurden, was uns eine Aufzeichung des damaligen Pfarrer in das Kirchenbuch erzählt. Die Inschrift (im Original in Latein) lautet übersetzt wie folgt:

Sei gegrüßt, Du freundlich gesinnte Nachwelt, der Du ein Interesse daran hattest, das tiefe Fundament (dieses Bauwerks) zu durchforschen! Wer es gelegt, wer darüber das feste Gefüge aus viereckigen Blöcken errichtet hat als Tor und Schmuck seiner Vaterstadt, willst voll Eifer Du wissen? Karl war es Nassaus durchlauchtigster Fürst, Graf zu Saarbrücken und Saarwerden, Herr zu Lahr, Wiesbaden und Idstein, der angenehmste und mildeste Vater des Vaterlandes, dem Alter nach noch ein Jüngling, doch an Frömmigkeit, Tugend und Standhaftigkeit den Ersten voraus und nach Planung und Führung seiner Regierung ein (weiser) Greis. Nachdem er von frühester Jugend an unter Führung des hochedlen Herrn Carl de le Pottrie als Gefolgsmann der Musen in fremde Lande gezogen war, ist er jetzt selbst ein Führer des Vereinigten Belgien und im Begriff, bei den Batavern glücklich seinen heimischen Herd und seine Ehe zu gründen. Doch hat er sein Vaterland nicht hintangesetzt, sondern mit großem eignen Aufwand baut er die Hauptstadt aus, schmückt sie, legt Straßen an und säumt den Fluß mit einer Mauer. Durch Wohltätigkeit, Freigebigkeit, Milde und schließlich mit väterlicher Liebe hilft er seinem Volk, erfüllt es mit neuer Kraft und richtet das Staatswesen auf’s beste ein. Du aber mögest das Andenken an diesen allerbesten Fürsten heilig halten und in Ruhe und Sicherheit ein Leben in Würde führen können, das dem unseren nicht nachsteht.
Weilburg, am 17. September im Jahre des Erlösers 1759

Die Weilburger ahnten also schon damals, dass dieser Bau eine lange Zeitspanne dort verbringen würde. Hoffen wir, dass er uns noch viele weitere Jahre erhalten bleibt …

Ähnliche Artikel:

  1. “Millionengrab” Parkhaus am Landtor
  2. Der Weilburger Schlossgarten (1)
  3. Das Weilburger Landtor - Teil 1
  4. Jurassic Park im Weilburger Tiergarten?

Ein Kommentar to “Das Weilburger Landtor - Teil 2”

  1. [...] Das Weilburger Landtor Teil 2 Artikel Bookmarken Hide Sites [...]

Trackback URI | Comments RSS

Kommentar hinterlassen