Archiv für Juli, 2009

Jul 04 2009

Bundesparteitag der Piratenpartei live

So geht Internet und so geht Demokratie.
Liveübertragung des Bundesparteitages der Piratenpartei Deutschland in Hamburg.

Edit: 17.30 geheime Abstimmung zum neuen Bundesvorsitzenden der Piraten Partei

Edit: Liveübertragung beendet

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Jul 03 2009

Fairer Handel auch in Weilburg

Weltladen

Wenn die Länder des Überflusses den Entwicklungsländern gerechte Preise für ihre Produkte zahlen würden, könnten sie ihre Unterstützung und ihre Hilfpläne für sich behalten.

Was Dom Helder Camara, oder auch “Bischof der Armen”, hier festgestellt hat, ist stellvertretend für den Leitsatz des sogenannten “Fairen Handels“, der sich entwickelte, als man Anfang der 70er Jahre erkannte, dass südliche Länder im Welthandel entschieden benachteiligt werden. Somit entwickelte sich das Konzept einer partnerschaftlichen Handelsbeziehung mit Kleinproduzenten, welche u.a. von den sog. “Weltläden” aktiv ausgeführt wird, die meist von Vereinen und selbstorganisierten Freiwilligen betrieben werden.


Im rund 700 Läden in Deutschland, etwa 2500 in ganz Europa und tausenden Aktionsgruppen werden mittlerweile aromatischer Kaffe, pikante Gewürze, Schokolade und andere Lebensmittel, aber auch Geschenk- und Gebrauchsartikel wie Korbwaren, Spielzeug, Musikinstrumente und Schmuck zur fairen Preisen angeboten.

Der Faire Handel baut auf feste Grundlagen und Vorraussetzungen:

  • Sozial- und Umweltverträglichkeit (soziale Arbeitsbedingungen, um die Existenz der Produzenten zu sichern, höhere Erlöse für die Produzenten, Vorfinanzierung der Produktion/Ernte, finanzielle Förderung sozialer Verbesserungen)
  • Transparenz (Produzenten, Importeure und Weltläden geben Einblicke in: Zielsetzung, Arbeitsweise, Besitzverhältnisse, finanzielle Situation, Handelswege und Kriterien für die Auswahl der Handelspartner)
  • demokratische Strukturen (unabhängig von formalrechtlichen Strukturen haben Mitarbeiter ausreichend Mitbestimmungsrecht)
  • non-Profit-Orientierung (Gewinnmaximierung ist kein Ziel der Weltläden! Alle Erlöse werden für Gemeinschaftsaufgaben und Stärkung des Fairen Handels verwendet.)
  • Kontinuität (schafft Verlässlichkeit durch langfristige Lieferverträge, intensive Beratung zur Weiterentwicklung von Produkten oder interner Weiterbildung)
  • Informations- und Bildungsarbeit (zahlreiche Kampagnen & politische Aktionen)

Seit 1984 werden auch in Weilburg Waren aus dem Fairen Handel angeboten. 1996 öffnete der Weltladen “Regenbogen” seine Türen, der bis heute von ehremamtlichen Engagierten geführt wird, die nicht nur Informationsveranstaltungen und Aktionen außerhalb des Ladens organisieren, sondern ihre Kunden auch offen über Herkunft der Waren und die Produzenten, über die Preise und ihre Zusammensetzung und über die Vorteile bei den Menschen im Süden aufklären. Träger des Weilburger Weltladens ist der als gemeinnützig anerkannte Verein “Weltladen Regenbogen e.V.“.

Wenn ihr selbst ein Stück aktive Weltpolitik für mehr Gerechtigkeit betreiben möchtet, habt ihr zahlreiche Möglichkeiten. Vom regelmäßgen Einkauf abgesehen könnt ihr z. B. auch Mitglied im Trägerverin werden oder euch aktiv im Laden oder bei Aktionen und Veranstaltungen beteiligen.

Nähere Informationen erhaltet ihr hier:
www.weltladen.de
www.weltlaeden-hessen.de
www.weltladen-weilburg.de (Wir waren sehr überrascht über die Aktualität und Umsetzung der Homepage! Dort findet ihr auch Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktmöglichkeiten des Weilburger Weltladens.)

In Kürze folgen noch ein paar Fotos aus dem Weltladen “Regenbogen” in Weilburg.

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Jul 02 2009

Offener Brief an Ursula von der Leyen

Zensursula - Ursula von der LeyenDieser offene Brief wurde von Christian Bahls von MOGIS verfasst und an Frau Ursula von der Leyen gerichtet. Dieser Brief kann und soll weiterverbreitet werden.

Offener Brief

(Wenn ich im Folgenden “Wir” schreibe, dann meine ich nicht nur MOGIS, sondern schließe damit auch generell diejenigen ein, die Bedenken an den aktuell diskutierten Plänen haben (schließe also die 134.000 Mitzeichner der Bundestags-Petition mit ein))

Liebe Frau Ministerin von der Leyen,

Sie haben am Freitag auf der Pressekonferenz im Bundespresseamt von den Beschwernissen durch einen organisierten Widerstand gesprochen.

Dazu möchte Ich Ihnen nur eins antworten: Wir sind noch gar kein organisierter Widerstand!

Das, was sie jetzt schon als organisierten Widerstand wahrnehmen, sind in Wirklichkeit bisher die Bedenken einer Menge besorgter Bürger und Bürgerinnen, die relativ unabhängig voneinander ihre Zweifel äußern; es sind genau jene Bedenken über die Sie gerade so leichtfertig hinwegzugehen belieben!

Die Politik darf aber nicht aufhören sich zu erklären. Wenn Politik aufhört sich im Dialog zu legitimieren, dann untergräbt sie die Basis des demokratischen Rechtsstaats. Auf diese Art und Weise wird langfristig der Bestand der Bundesrepublik Deutschland gefährdet!

Diese “Basta-Politik”, dieses “über die Köpfe der Bürger und Bürgerinnen hinweg regieren”, war schon unter der Regierung Gerhard Schröders schwer zu ertragen!

Wir sind doch keine kleinen Kinder! Jeder Bürger, jede Bürgerin hat seine oder ihre spezifischen Expertisen, die können sie doch nicht so einfach ignorieren. Die Politik schneidet sich so vom Wissen der Bevölkerung ab. Synergieeffekte, wie sie in gleichberechtigter Kooperation entstehen, werden so behindert.

Im WorldWideWeb entsteht seit mindestens einem Jahrzehnt so etwas wie ein globales Bewusstsein. Diesem würden Sie mit der Umsetzung Ihrer Pläne einen schweren Einschnitt verpassen!

Die Politik zeigt sich besorgt über die Politikverdrossenheit des deutschen Volkes, ignoriert aber die direkt unter ihren Augen entstehende Kultur des Betreibens von Weblogs, kurz Blogs. Da entsteht gerade eine neue demokratische Kultur!

Diese Web-Tagebücher leben geradezu von ihrer Vernetzung, deswegen müssen Blogger sich trauen können Verweise, so genannte Links, auf andere Inhalte, zu setzen und auch zu empfangen.

Viele Angebote zeigen ihre volle Entfaltung erst, wenn sie durch Links in ein größeres Netz aus anderen, ergänzenden, Information eingebunden sind. Gerade die gefühlte Gefahr beim Anbieten eines Links hat aber, auch durch die unsachlichen Diskussion der letzten Jahre, erheblich erhöht!

Mit den DNS-Umleitungen wird jetzt sogar das Klicken eines Links zu einer gefühlten Bedrohung: “Wie viele Stopp-Seiten darf ich diesen Monat wohl noch sehen, bevor mich das BKA abholt?”.Zudem man auch nicht vorher wissen kann, wohin ein Link, dem man folgt, führt. Das erzeugt Angst. Da entsteht eine Schere im Kopf: “Tu ich das jetzt und informiere mich was dort für Inhalte sind, oder mache ich das lieber nicht?”

Das ist es, was wir als Einschränkung empfinden. Wir kommunizieren dort. Viele Menschen verbringen einen großen Teil ihres sozialen Lebens im Internet.

Gerade für Missbrauchsbetroffene ist es nämlich häufig hilfreich, anonym und ohne Angst bloßgestellt zu werden, relativ frei über den erlittenen Missbrauch reden zu können. Es hilft!

Sie nehmen auch uns, den Missbrauchsbetroffenen, das Gefühl der Sicherheit im Netz. Sie geben uns das Gefühl etwas Verbotenes zu tun, wenn wir anonym im Internet unterwegs sein wollen. Denn auch dafür müssten wir Ihre Zugangserschwerungen umgehen!

Sollen wir nun also diese Pest aus Scham, Ärger und Wut für immer in uns behalten? Wo sollen denn die ganzen Therapeuten herkommen um uns sonst zu begleiten?

Wer traut sich denn schon, frei über Missbrauch zu reden oder seine Sorgen in sein elektronisches Tagebuch zu schreiben, wenn er dabei überwacht werden könnte?

Das die Hintergründe, warum Wir für Meinungs- und Rezipientenfreiheit, für das Fernmeldegeheimis und, unserer eigenen Ohnmacht bewusst, für die Rechtsweggarantie kämpfen!

Das sind die Gründe, warum wir diese Manipulation am Domain-Name-System verurteilen,warum wir eine Vorratsdatenspeicherung ablehnen, warum uns das neue BKA Gesetz solche Angst macht.

Ganz allgemein geht es uns um die Wiederherstellung einer Rechtsstaatlichkeit, welche sich durch Anerkennung von Grundrechten, der Verhältnismäßigkeit bei ihrer Einschränkung und einer funktionierende Gewaltenteilung auszeichnet!

Diese Bedenken belieben Sie ja gerade in der aktuellen Diskussion so beiläufig beiseite zu wischen. Auch gerade indem Sie mit dem Leid der (auch potentiellen) Opfer Stimmung machen!

Ich kann verstehen, dass Sie das WWW nicht als dynamisch wahrnehmen. Ich kann verstehen, dass für Sie das WWW ein Presseerzeugnis ist, schließlich werden Sie in Ihrer Funktion viele Webseiten überhaupt nur ausgedruckt zu sehen bekommen.

Aber Ich möchte Sie wirklich darum bitten, sich, vielleicht auch gerade von Ihren Kindern, ein paar neue Webangebote vorführen lassen.

Lassen Sie sich bitte zeigen, wie junge Menschen Inhalte tauschen, sie neu zusammenstellen, mit manchmal überraschenden Effekten.

Das Internet ist kein großer Pornotauschring. Stattdessen können Sie im Internet vielen Leuten bei der Kreation wunderbarer Inhalte zuschauen!

In jeder Stadt gibt es schmutzige Ecken, dort wäre es dann angemessen, die Polizei etwas häufiger vorbeizuschicken.

Aber was Sie gerade in Deutschland umsetzen entspricht eher dem Szenario: ein Polizist pro Bürger, dies im wörtlichen Sinne, wegen der Möglichkeiten moderner Technik, aber auch gerade wegen der Zensur im Kopf “Mach ich das jetzt, oder lieber doch nicht?”

Eine Art “Große Mauer”, das ist es, was sich manche Politiker unter “Kontrolle des Internet” vorstellen. Und diese Politiker sagen das sogar öffentlich. Sie lassen es sogar verschriftlichen!

Diese Leute sitzen auch und gerade in Ihrer Partei! Es ist auch Ihre Koalition der Willigen!

Wäre es nicht anstatt dieser unglaublich gefährlichen Symbolpolitik angebracht:

* Den Opfern echte Hilfe anzubieten?
* die Dunkelziffer bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zu verringern?
* Die Täter zu verfolgen, anstatt nur der von ihnen verbreiteten Inhalte?
* Den Pädophilen, die unter Ihren Neigungen leiden, durch Therapie helfen keine Täter zu werden?
* Kinder stark zu machen, sodass sie gar nicht die Schwachstellen haben, die Täter benutzen um sich Ihnen zu nähern?

Treten Sie bitte wieder mit Ihren Kritikern in einen konstruktiven Kontakt!

In diesem Sinne verbleibe ich,

mit freundlichen Grüßen

Ihr Christian Bahls

(PS: Ich möchte Sie wirklich eindringlich bitten, mal auf baidu.cn zu gehen, der großen chinesischen Suchmaschine. Suchen Sie dort bitte mal erst nach was völlig unverfänglichem, wie zum Bespiel: “guandong” und dann mal testweise nach “falun gong”. Oder lassen Sie suchen, wie auch immer. Ich möchte es hier nur mal ganz kurz zusammenfassen: es ist nicht Ihr Internet, das da kaputt ist!)

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