Archiv für das 'Historisches' Thema

Jul 08 2009

Der Schlossgarten in Weilburg (2)

Obere Orangerie Die obere Schlossgartenterrasse

Dieser Teil des Schlossgartens in Weilburg entwickelte sich aus dem Renaissancegarten auf einem südlichen Plateau des Schlosses. Der Garten wurde am zur Lahn herabfallenden Felsen von einer Futtermauer umgeben, unterhalb derer vermutlich Wein angebaut wurde. 1665 ergänzte Graf Friedrich den Garten durch Statuen, Wasserkünste, exotische Zierbäume und ein Lusthaus. Graf Johann Ernst nahm erneut Erweiterungen vor und liess extra aus Saabrücken den Gärtner Francois Lemaire anreisen, um eine Neuplanung der Anlage zu realiseren.

1702 wurde nach den Plänen des Baumeister Rothweil die obere Orangerie erbaut. Nach dem Durchschreiten des Lindensaals erreicht man die Dachterasse der unteren Orangerie. Jener Lustgarten wurde von zahlreichen Grotten und Wasserspielen belebt, zu deren Realisierung Peter Guardian das Konzept erstellt hatte, Wasser über eine Rohrbrücke (heutige Kettenbrücke), die aus 10 cm dicken Eisengussröhren bestand, von der anderen Lahnseite heranzuführen, um das Wasser in einem Kupferbehälter auf dem Kirchturm zu speichern, sodass immer ausreichend Wasserdruck für die Wasserspiele erzeugt werden konnte.

Zudem schmückte man den Garten mit etlichen Skulpturen aus der antiken Götterwelt, die jedoch leider heute nicht mehr vorhanden sind. Lediglich zwei der vielen Figuren sind erhalten geblieben, welche sich allerdings jetzt in der unteren Orangerie befinden. Vasen auf Balustrade im Schlossgarten Außerdem existiert heute noch die Balustrade auf der Mauerkrone zum Gebück mit 43 gusseisernen Vasen. Diese Vasen füllte man früher mit Öl und beleuchtete somit den Schlossgarten.

Im Bereich, wo ehemals die Statue von Graf Johann Ernst zu sehen war, findet man nun einen Springbrunnen und vier Gartenfiguren, welche in den sechziger Jahren von Rüdesheim nach Weilburg gebracht und hier aufgestellt wurden. Der Brunnen, der schon fast 400 Jahre alt ist, zeigt eine barocke Allegorie vom Sieg des Guten über das Böse, welcher durch den Kampf von Herkules mit dem Riesen Antaios dargestellt wird. Die vier Gartenfiguren stellen die antiken Gottheiten Poseidon, Gaia, Zeus und Hera dar.

Viele Geschichtchen ranken sich auch um die Steinfigur des “Weilburger Hündchens” am “Pralinée-Eck” des Hochschlosses, von wo außerdem ein Treppenweg hinab durch das Gebück und an der Schlossmühle vortbeiführt.

Buchen Der Nordteil wird dominiert von der riesigen Hainbuche und den Blutbuchen, sie aus dem 19. Jahrhundert stammen, als unter Fürst Friedrich Wilhelm eine Umgestaltung des Gartens erfolgte, währenddessen man geschwungene Wege anlegte und zahlreiche Gehölze pflanzte.

Einzig das Lindenboskett im Südteil blieb bis dato unverändert, dessen Bäume in einem Muster angeordnet sind, wie es z. B. auch für die Anordnung der fünf Augen auf einem Würfel zutrifft.

Die letzte große Veränderung fand 1936-1939 statt, als nach Plänen von Geord Potente eine Rebarockisierung des Gartens erfolgte.

Weilburger Schlossgarten (Teil 1)

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Jul 03 2009

Fairer Handel auch in Weilburg

Weltladen

Wenn die Länder des Überflusses den Entwicklungsländern gerechte Preise für ihre Produkte zahlen würden, könnten sie ihre Unterstützung und ihre Hilfpläne für sich behalten.

Was Dom Helder Camara, oder auch “Bischof der Armen”, hier festgestellt hat, ist stellvertretend für den Leitsatz des sogenannten “Fairen Handels“, der sich entwickelte, als man Anfang der 70er Jahre erkannte, dass südliche Länder im Welthandel entschieden benachteiligt werden. Somit entwickelte sich das Konzept einer partnerschaftlichen Handelsbeziehung mit Kleinproduzenten, welche u.a. von den sog. “Weltläden” aktiv ausgeführt wird, die meist von Vereinen und selbstorganisierten Freiwilligen betrieben werden.


Im rund 700 Läden in Deutschland, etwa 2500 in ganz Europa und tausenden Aktionsgruppen werden mittlerweile aromatischer Kaffe, pikante Gewürze, Schokolade und andere Lebensmittel, aber auch Geschenk- und Gebrauchsartikel wie Korbwaren, Spielzeug, Musikinstrumente und Schmuck zur fairen Preisen angeboten.

Der Faire Handel baut auf feste Grundlagen und Vorraussetzungen:

  • Sozial- und Umweltverträglichkeit (soziale Arbeitsbedingungen, um die Existenz der Produzenten zu sichern, höhere Erlöse für die Produzenten, Vorfinanzierung der Produktion/Ernte, finanzielle Förderung sozialer Verbesserungen)
  • Transparenz (Produzenten, Importeure und Weltläden geben Einblicke in: Zielsetzung, Arbeitsweise, Besitzverhältnisse, finanzielle Situation, Handelswege und Kriterien für die Auswahl der Handelspartner)
  • demokratische Strukturen (unabhängig von formalrechtlichen Strukturen haben Mitarbeiter ausreichend Mitbestimmungsrecht)
  • non-Profit-Orientierung (Gewinnmaximierung ist kein Ziel der Weltläden! Alle Erlöse werden für Gemeinschaftsaufgaben und Stärkung des Fairen Handels verwendet.)
  • Kontinuität (schafft Verlässlichkeit durch langfristige Lieferverträge, intensive Beratung zur Weiterentwicklung von Produkten oder interner Weiterbildung)
  • Informations- und Bildungsarbeit (zahlreiche Kampagnen & politische Aktionen)

Seit 1984 werden auch in Weilburg Waren aus dem Fairen Handel angeboten. 1996 öffnete der Weltladen “Regenbogen” seine Türen, der bis heute von ehremamtlichen Engagierten geführt wird, die nicht nur Informationsveranstaltungen und Aktionen außerhalb des Ladens organisieren, sondern ihre Kunden auch offen über Herkunft der Waren und die Produzenten, über die Preise und ihre Zusammensetzung und über die Vorteile bei den Menschen im Süden aufklären. Träger des Weilburger Weltladens ist der als gemeinnützig anerkannte Verein “Weltladen Regenbogen e.V.“.

Wenn ihr selbst ein Stück aktive Weltpolitik für mehr Gerechtigkeit betreiben möchtet, habt ihr zahlreiche Möglichkeiten. Vom regelmäßgen Einkauf abgesehen könnt ihr z. B. auch Mitglied im Trägerverin werden oder euch aktiv im Laden oder bei Aktionen und Veranstaltungen beteiligen.

Nähere Informationen erhaltet ihr hier:
www.weltladen.de
www.weltlaeden-hessen.de
www.weltladen-weilburg.de (Wir waren sehr überrascht über die Aktualität und Umsetzung der Homepage! Dort findet ihr auch Adresse, Öffnungszeiten und Kontaktmöglichkeiten des Weilburger Weltladens.)

In Kürze folgen noch ein paar Fotos aus dem Weltladen “Regenbogen” in Weilburg.

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Mai 01 2009

Ritterspiele im Weiltal

Ritterspiele Freienfels

Die Faszination des Mittelalters wird auch dieses Jahr bei den Ritterspielen in Freienfels tausende Schaulustige anlocken. Seit Anfang der Woche sind die Lager und Aufbauarbeiten der Rittersleute zu beobachten.

Ca. 2.500 Akteure werden noch bis Sonntag die Burg und das darunter liegende Weiltal bevölkern und in die Zeit der Burgherren und Raubritter zurück versetzen.

Rund 150 Stände mit historischen Waren und alter Handwerkskunst bieten ihre Dienste an.

Ein Falkner stellt jeden Tag bis Samstag seine wundervollen Tiere in einer Flugshow am Tunierplatz vor.

Ritterkämpfe und mittelalterliche Musik werden das Publikum erstaunen lassen.

Wie auch im letzten Jahr fahren Shuttelbusse von Weilburg Hainkaserne und Schleuse nach Freienfels ins Weiltal. Nutzen sie diese Möglichkeit.

Weitere Informationen auf der Webseite www.ritterspiele-freienfels.de

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Apr 29 2009

Das Weilburger Landtor - Teil 2

Landtor Inschrift

Nachdem weilburg-online.de in einem vergangenen Artikel schon über die Vorgeschichte des Landtores berichtete, folgt hier nun die Historie des eigentlichen Entstehungsprozesses dieses Monumentes, um das kein Besucher der Altstadt in Weilburg herumkommt.

Auf Wunsch des Fürsten von Nassau-Weilburg entstand der Entwurf des klassizistischen Landtores - 10m breit, 11m hoch, mit einer Durchfahrt von 3,50m Breite und 4m Tiefe. Erbaut werden sollte das Tor später aus Lahnmarmor und außerdem durch ein doppelflügeliges Tor mit Türchen ergänzt werden.

Ein Blick auf die Pläne des damaligen Architekten zeigt uns ein anderes Landtor, als das, wie wir es heute kennen. Ursprünglich sollte es ein schmuckreicher Bau werden mit reich gestaltetem Toraufsatz und vorgestellten Säulen. Man kann nur vermuten, weshalb das Monument so viel schlichter als geplant ausgefallen ist. Möglicherweise hatte man die Kosten nicht decken können. Vielleicht lag es auch an der langen Unterbrechung während der Bauausführung, die wohl aufgrund des Siebenjährigen Krieges erfolgte. So dauerte es vom Legen des Grundsteines am 17. September 1759 ganze neun Jahre, bis der Bau fertiggestellt wurde.

Landtor Weilburg

Interessant zu wissen ist außerdem, dass in den Grundstein des Baus Weilburger Münzen, Weilburger Wein und eine Kupferplatte mit eingravierter Inschrift eingemauert wurden, was uns eine Aufzeichung des damaligen Pfarrer in das Kirchenbuch erzählt. Die Inschrift (im Original in Latein) lautet übersetzt wie folgt:

Sei gegrüßt, Du freundlich gesinnte Nachwelt, der Du ein Interesse daran hattest, das tiefe Fundament (dieses Bauwerks) zu durchforschen! Wer es gelegt, wer darüber das feste Gefüge aus viereckigen Blöcken errichtet hat als Tor und Schmuck seiner Vaterstadt, willst voll Eifer Du wissen? Karl war es Nassaus durchlauchtigster Fürst, Graf zu Saarbrücken und Saarwerden, Herr zu Lahr, Wiesbaden und Idstein, der angenehmste und mildeste Vater des Vaterlandes, dem Alter nach noch ein Jüngling, doch an Frömmigkeit, Tugend und Standhaftigkeit den Ersten voraus und nach Planung und Führung seiner Regierung ein (weiser) Greis. Nachdem er von frühester Jugend an unter Führung des hochedlen Herrn Carl de le Pottrie als Gefolgsmann der Musen in fremde Lande gezogen war, ist er jetzt selbst ein Führer des Vereinigten Belgien und im Begriff, bei den Batavern glücklich seinen heimischen Herd und seine Ehe zu gründen. Doch hat er sein Vaterland nicht hintangesetzt, sondern mit großem eignen Aufwand baut er die Hauptstadt aus, schmückt sie, legt Straßen an und säumt den Fluß mit einer Mauer. Durch Wohltätigkeit, Freigebigkeit, Milde und schließlich mit väterlicher Liebe hilft er seinem Volk, erfüllt es mit neuer Kraft und richtet das Staatswesen auf’s beste ein. Du aber mögest das Andenken an diesen allerbesten Fürsten heilig halten und in Ruhe und Sicherheit ein Leben in Würde führen können, das dem unseren nicht nachsteht.
Weilburg, am 17. September im Jahre des Erlösers 1759

Die Weilburger ahnten also schon damals, dass dieser Bau eine lange Zeitspanne dort verbringen würde. Hoffen wir, dass er uns noch viele weitere Jahre erhalten bleibt …

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Apr 28 2009

Der Weilburger Schlossgarten (1)

Für Touristen stellen die Schlossanlagen und der Schlossgarten sicherlich einen der ersten Anlaufpunkte während ihrer Tour durch Weilburg dar.

Blick-SchlossgartenAllein der Blick vom südlichen Gartenende auf das Lahntal ist auf jeden Fall einen Ausflug in den Garten wert.
Die Anlagen, die sich über ca. 3,3 ha Fläche erstrecken, wurden auf verschiedenen Terrassen und Plateaus über mehrere Geländestufen hinweg errichtet.

Mit dem Anlegen des Gartens begann man schon im 16. Jahrhundert unter Graf Philipp III., was unter seinem Nachfolger Graf Albrecht fortgesetzt wurde. Die ersten Gartenanlagen entstanden südlich des neu erbauten Schlosses. Man hielt eine solche gärtnerische Anlage für erforderlich als passende Ergänzung zu den Schlossbauten. Nachdem jedoch die Schäden des Dreißigjährigen Krieges beseitigt werden mussten, ergriff man die Initiative für eine Komplettveränderung und -erweiterung der Anlagen, und machte daraus einen Lustgarten mit sich überkreuzenden Wegen und Wasserspielen.

Graf Johann Ernst v. Nassau-Weilburg nahm wiederum sowohl in den Gartenanlagen als auch in der gesamten Stadt umfangreiche Baumaßnahmen vor, wodurch es zu einer umfassenden Neugestaltung des Gartens kam.

1702 wurde der Garten durch weitere Elemente ergänzt. Baumeister Rothweil erstellte die Pläne für eine “obere Orangerie” und eine “untere Orangerie“, die wesentlich zur Gestaltung der barocken Gartenräume beitrugen. Neben dem Gebäude, das die Orangerien verbindet, befinden sich Freitreppen. Ursprünglich wurde der Bau dort als Gewächshaus zur Überwinterung der Kübelpflanzen genutzt - heute befindet sich dort seit langem das “Schlosscafe“.

Untere Orangerie

Die Grundstruktur der Anlagen ist bis heute geblieben (mit den Orangerien, den Stützmauern, den Balustraden und dem Lindensaal), jedoch ist der barocke Originalzustand nicht mehr gegeben, sondern wurde im Nachhinein nachgebaut durch eine Rebarockisierung zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges.

Eine nachträgliche Erweiterung des Gartens stellt auch das Gebück dar. Durch entsprechende Bepflanzung wurde das Hindernis, welches allein schon durch den vorhandenen Steilhang gegeben war, noch verstärkt. Die Zugangswege und die Umgestaltung zum Landschaftspark folgten jedoch im 18. Jahrhundert.

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