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„Millionengrab“ Parkhaus am Landtor

geisterparkhaus-von-weilburg

Laut den Weilburger Nachrichten bekommt das „Millionengrab von Weilburg“ nun endlich Überwachungskameras!
Na herzlichen Glückwunsch.
Man klagt schon in Bezug auf die Kosten – zumal der Finanzhaushalt von Weilburg sowieso schon mehr als in Schieflage ist. Aber wenn man genauer recherchiert müssten diese Kosten doch schon längst gedeckt sein. Zumindest waren so die Äusserungen von Herrn Bürgermeister Hans Peter Schick vor mehr als 2 Jahren gegenüber dem Hessischen Rundfunk, dass in Kürze erst die Fertigstellung des Parkhauses zu erwarten ist. Auch die Montage der Videokameras wurde erwähnt. Im März 2008 wurde das Weilburger Stadtoberhaupt nämlich dahingehend schon interviewt, für wen das Parkdeck denn überhaupt gebaut wurde. Für Parker scheinbar nicht. Amüsant war besonders die Anmerkung, dass sich das Parkhaus am Landtor noch im Bau befindet. Also wurde am Hessentag 2005 und seit dem ständig in einer noch nicht fertiggestellten Baustelle geparkt. Aha – na dann.

Hier kann man sich nochmal das Video vom HR über das Parkhaus am Landtor in Weilburg ansehen – für diejenigen, die es nicht glauben wollen. Und hier der Bericht dazu.

Die Vorschlag der WN, einfach das ganze Parkdeck mit Baustahlmatten unzugänglich zu machen, ist garnicht so schlecht. Sicher ist das ganze günstiger als die Videoüberwachung. Und wenn man auch noch bedenkt, dass schon 2008 die laufenden Kosten des Parkhauses mit 60.000 Euronen pro Jahr bezuschusst wurden. Was man mit diesem Geld sinnvolles tun könnte….

Zum Beispiel das Geld in Jugend- und Streetworkprojekte stecken, denn dann würden die Verursacher der Schäden im Parkhaus und die jugendlichen Vandalen, für die ja die Überwachung gedacht ist, von selbst auf andere Ideen kommen und hätten vielleicht ein wenig Perspektiven.

Statt dessen werden Jugendprojekte wie das Kidscollege eingestampft, weil in Zeiten der Haushaltssperren keine Kohle da ist. Zum Glück ist aber noch was da für Überwachungskameras in einem Parkhaus in dem keiner parkt !

Das Weilburger Landtor – Teil 2

Landtor Inschrift

Nachdem weilburg-online.de in einem vergangenen Artikel schon über die Vorgeschichte des Landtores berichtete, folgt hier nun die Historie des eigentlichen Entstehungsprozesses dieses Monumentes, um das kein Besucher der Altstadt in Weilburg herumkommt.

Auf Wunsch des Fürsten von Nassau-Weilburg entstand der Entwurf des klassizistischen Landtores – 10m breit, 11m hoch, mit einer Durchfahrt von 3,50m Breite und 4m Tiefe. Erbaut werden sollte das Tor später aus Lahnmarmor und außerdem durch ein doppelflügeliges Tor mit Türchen ergänzt werden.

Ein Blick auf die Pläne des damaligen Architekten zeigt uns ein anderes Landtor, als das, wie wir es heute kennen. Ursprünglich sollte es ein schmuckreicher Bau werden mit reich gestaltetem Toraufsatz und vorgestellten Säulen. Man kann nur vermuten, weshalb das Monument so viel schlichter als geplant ausgefallen ist. Möglicherweise hatte man die Kosten nicht decken können. Vielleicht lag es auch an der langen Unterbrechung während der Bauausführung, die wohl aufgrund des Siebenjährigen Krieges erfolgte. So dauerte es vom Legen des Grundsteines am 17. September 1759 ganze neun Jahre, bis der Bau fertiggestellt wurde.

Landtor Weilburg

Interessant zu wissen ist außerdem, dass in den Grundstein des Baus Weilburger Münzen, Weilburger Wein und eine Kupferplatte mit eingravierter Inschrift eingemauert wurden, was uns eine Aufzeichung des damaligen Pfarrer in das Kirchenbuch erzählt. Die Inschrift (im Original in Latein) lautet übersetzt wie folgt:

Sei gegrüßt, Du freundlich gesinnte Nachwelt, der Du ein Interesse daran hattest, das tiefe Fundament (dieses Bauwerks) zu durchforschen! Wer es gelegt, wer darüber das feste Gefüge aus viereckigen Blöcken errichtet hat als Tor und Schmuck seiner Vaterstadt, willst voll Eifer Du wissen? Karl war es Nassaus durchlauchtigster Fürst, Graf zu Saarbrücken und Saarwerden, Herr zu Lahr, Wiesbaden und Idstein, der angenehmste und mildeste Vater des Vaterlandes, dem Alter nach noch ein Jüngling, doch an Frömmigkeit, Tugend und Standhaftigkeit den Ersten voraus und nach Planung und Führung seiner Regierung ein (weiser) Greis. Nachdem er von frühester Jugend an unter Führung des hochedlen Herrn Carl de le Pottrie als Gefolgsmann der Musen in fremde Lande gezogen war, ist er jetzt selbst ein Führer des Vereinigten Belgien und im Begriff, bei den Batavern glücklich seinen heimischen Herd und seine Ehe zu gründen. Doch hat er sein Vaterland nicht hintangesetzt, sondern mit großem eignen Aufwand baut er die Hauptstadt aus, schmückt sie, legt Straßen an und säumt den Fluß mit einer Mauer. Durch Wohltätigkeit, Freigebigkeit, Milde und schließlich mit väterlicher Liebe hilft er seinem Volk, erfüllt es mit neuer Kraft und richtet das Staatswesen auf’s beste ein. Du aber mögest das Andenken an diesen allerbesten Fürsten heilig halten und in Ruhe und Sicherheit ein Leben in Würde führen können, das dem unseren nicht nachsteht.
Weilburg, am 17. September im Jahre des Erlösers 1759

Die Weilburger ahnten also schon damals, dass dieser Bau eine lange Zeitspanne dort verbringen würde. Hoffen wir, dass er uns noch viele weitere Jahre erhalten bleibt …

Das Weilburger Landtor – Teil 1

[ad#jessen-250-square-left]Hunderte von Menschen, die täglich die Altstadt von Weilburg betreten oder verlassen, finden ihren Weg durch das Landtor. Wie fast alles in Weilburg hat auch dieses monumentale Gebäude einen erstaunlichen historischen Werdegang aufzuweisen, der nur wenigen bekannt ist.

Bevor überhaupt die ersten Architekten mit der Planung des Landtors beauftragt wurden, wurde der Platz von alten Stadttoren dominiert, die während der Stadterneuerung durch den Grafen Johann Ernst niedergelegt wurden. An derer Statt entstand ein Bruchsteinbau mit einem breiten Durchlass, an dessen Seiten sich Unterkünfte für Pförtner und Hirten befanden.

Doch wenig später (1758) musste auch dieses Monument weichen, um dem Wunsch des regierenden Fürsten Karl Christian von Nassau-Weilburg nachzukommen, der ein monumentales Eingangstor in Auftrag gab, das einen repräsentativen Eindruck der Stadt vermitteln sollte – die Idee für das Landtor war geboren.

Landtor Weilburg
Postkartenausschnitt von 1960

Das Weilburger Landtor Teil 2